Die Geschwindigkeit, mit der die digitale Revolution voranschreitet, ist atemberaubend. Entwicklungen, die heute auf unseren Geräten landen, hätte man noch vor einem Jahr für pure Science Fiction gehalten. Es sind Entwicklungen, die keinen Wirtschaftssektor und keinen Bereich aussparen: Unternehmen, Märkte, Businessmodelle, Organisationsformen, Arbeitsmethoden – alles steht auf dem Prüfstand, alles verändert sich radikal. Doch die Veränderungen gehen noch weiter: sie betreffen unser Bild von der Arbeit, von der Freizeit, von Lebensstilen und Konsumgewohnheiten. Alles, aber auch wirklich alles ist im Fluss.

Diese rasanten Entwicklungen bezeichnen wir gerne mit dem Begriff der vierten industriellen Revolution. Zugleich aber wird uns bewusst, dass die Begriffe, die wir verwenden, oft nicht mehr präzise beschreiben können, was da vor sich geht. Die Veränderungen gehen dermaßen schnell vonstatten, dass sie nicht nur Kompetenzen und Reglementierungen hinter sich lassen, sondern oft genug sogar die Sprache. Und so bleibt uns nur die Frage, wie sehr die Automatisierung unsere Welt, unser Arbeits- und Privatleben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern wird.

Diese Frage muss man sich auch und vor allem in der Wirtschaft stellen. Unternehmen, die sich mit der digitalen Revolution nicht beschäftigen, sie nicht in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen rücken, riskieren, alles, was sie tun, umsonst zu tun. Das, was wir heute erleben, ist eine nahezu ständige „disruption“. Unter diesem Begriff versteht man eine innovative Technik, die eine bestehende Technik, ein Produkt oder eine Dienstleistung komplett verdrängt. Die Hauptakteure dieser „disruption“, die so genannten „disrupter“, sind jene Unternehmen, die die revolutionäre Technik auf den Markt bringen – heute meist junge digitale Unternehmen mit einem neuen Businessmodell und einem Output, der zwar Bestehendem ähnelt, dieses aber in Attraktivität und/oder Kosten übertrifft. Übrigens: Warum sind es meist junge Unternehmen? Ganz einfach: Ihr Zugang zum Markt ist ein anderer, einer, den ein renommiertes, über Jahrzehnte gewachsenes Unternehmen nicht kopieren kann. Zu radikal wären die Änderungen, die von ihm verlangt würden. Also: ein eingespieltes Businessmodell, ein etabliertes Produkt, kurz: alles, was einst ein immenser Vorteil auf dem Markt war, wird heute zur Last.

Diese Überlegung unterstreichen die klassischen Beispiele von „disruption“, die unser Leben für immer verändert haben. Uhren beispielsweise werden zwar noch verkauft, die Uhrzeit lesen wir aber meist von unserem Smartphone ab. Also müssen Uhren andere Funktionen erfüllen: sie sind Schmuckstück, Modeaccessoire oder Multifunktionsgerät für Sportler oder Gesundheitsbewusste.Und wer fotografiert heute noch analog? Einzelne. Die Folge: die Digitalfotografie hat einen Riesen wie Kodak auf dem Gewissen – abgewickelt in wenigen Jahren. Auch Zeitungen geraten heute immer tiefer in die Krise, Zeitungshändler verschwinden, unsere guten alten Plattenläden suchen wir umsonst und Büchereien spüren den kalten Atem von Amazon im Nacken.

Die Reihe von Beispielen ließe sich fast schon beliebig fortsetzen, von Beispielen solider Businessmodelle, die im Laufe weniger Jahre einfach verschwunden sind. Wer also glaubt, mit seinen Produkten oder Dienstleistungen auf der sicheren Seite zu sein, irrt. Heute ist es notwendig, lebensnotwendig, auf der Hut zu sein und die digitalen Veränderungen zu beobachten. Wenn ich also Unternehmen besuche, die nichts von Business Intelligence wissen wollen, nichts von ERP und CRM, dann läuft es mir kalt den Rücken hinab. Mir wird dann klar – verzeihen Sie, wenn ich das so unverblümt sage, dass ich lebende Tote vor mir habe. Lebende Tote, die nicht verstanden haben, dass das Ende ihres Daseins nur eines ist: eine Frage der Zeit.

Autor Gaetano Bucci

Credo nell’equità distributiva del mercato, nella qualità, nella bellezza e nella logica delle scelte. Ecco perché ho creato quest’azienda.

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